Ehemalige KZ-Häftlinge besuchen Sandbostel
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„Eine Mauer aus Leichen"
 
 

Von Bianca Wilkens (Bremervörder Zeitung)

Sandbostel. „33 Kilo habe ich gewogen", sagt Alex Epardeaux, der am 29. April 1945 in dem ehemaligen Auffanglager für KZ-Häftlinge in Sandbostel befreit wurde. Der Franzose gehört der „Arnicale Internationale KZ Neuengamme" an - eine Vereinigung von Überlebenden des Konzentrationslagers. Clement Poppe, stellvertretender Bürgermeister von Sandbostel, und Dr. Klaus Volland haben die Überlebenden auf dem Friedhof in Sandbostel am vergangenen Mittwoch begrüßt.
„Die Krankenschwester hat mich gar nicht berühren wollen, weil sie Angst hatte, sie würde mich verletzen", berichtet Alex Epardeaux. So abgemagert sei er gewesen. Der Franzose war KZ-Häftling in Bremen-Farge - eines der über 70 Außenlager vom KZ Neuengamme. Auf den so genannten Todesmärschen wurde er gezwungen, kurz vor der Befreiung durch die Alliierten von Bremen-Farge nach Sandbostel zu marschieren. „Alle, die nicht mehr laufen konnten, wurden erschossen", so der Überlebende.
Ziel der Evakuierungsmärsche sei gewesen, dass die Häftlinge nicht in die Hände der Befreier gelangen, erläutert Frank Holle, Begleiter und Schatzmeister der „Amicale Internationale", der die Gespräche ins Französische übersetzt. Neben Alex Epardeaux ist auch Raymond Gourlin anwesend, ebenso ein Überlebender des KZ Neuengamme. Er war in dem KZ-Außenlager in Wilhelmshaven inhaftiert. „Ein dreiviertel Jahr mussten wir schon mit sehr wenig Nahrung leben und hart arbeiten", erzählt der ehemalige KZ-Häftling. Und dann habe er im April 1945 auf dem wochenlangen Evakuierungszug nach Sandbostel rund 350 Kilometer teilweise in der Bahn, teilweise zu Fuß zurücklegen müssen.
„Wie eine Mauer wurden die Leichen aufgeschichtet." Das wardas erste Bild, das sich Raymond Gourlin bei seiner Ankunft im Sandbosteler KZ-Auffanglager bot. „Besonders schrecklich aber war, dass die Inhaftierten von den Leichen Körperteile entfernten, um ihren Hunger zu stillen", erinnert sich der Franzose. Frank Holle bestätigt, dass nach der Befreiung derartige Spuren an den Leichen im Sandbosteler Lager entdeckt wurden.
Die französische Delegation der „Amicale Internationale KZ Neuengamme" besucht jährlich den Friedhof. Auch dieses Jahr legen sie beim Gedenkstein einen Kranz nieder. Anschließend begibt sich die rund 20-köpfige Gruppe zusammen mit Clement Poppe und mit Dr. Klaus Volland, stellvertretender Vorsitzender des Gedenkstättenvereins Sandbostel, zum ehemaligen Lagergelände des Stalag X B in Sandbostel. Während die Gruppe von KZ-Überlebenden und die Angehörigen auf den Acker schaut, wo sich damals die Baracken befanden, erinnert sich Raymond Gourlin: „Die Kriegsgefangenen, die von uns KZ-Häftlingen mit einem Stacheldrahtzaun getrennt waren, haben immer versucht, Brot oder ähnliches über den Zaun zu uns herüberzuwerfen."

 
   

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