Das Leben der Gefangenen im Lager
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Die Gefangenen kamen aus zwei Gründen ins Lager. Entweder als Zwischenstation auf dem Weg in die Arbeitskommandos oder als Durchgangslager auf dem Weg in die Heimat. Zum Verwaltungsbereich des Stalags X B gehörten maximal 780 Außenkommandos, in denen Kriegsgefangene in Gruppen von 10 bis 40 Kameraden  Zwangsarbeit leisten mussten. Untergebracht waren sie in stacheldrahtumzäunten Scheunen, Lagerhallen oder Tanzsälen von Gaststätten. Vorgaben der Genfer Konvention
(die Deutschland unterschrieben hatte) wurden ignoriert. So war es zum Beispiel verboten Kriegsgefangene in der Rüstungsindustrie zu beschäftigen. Das Stalag X B beschäftigte aber Kriegsgefangene unter anderem beim U-Boot-Bau in Bremen.
Auch die festgesetzten Arbeitszeiten wurden generell überschritten.  Unteroffiziere, die nach der Genfer Konvention nicht zu Arbeiten herangezogen werden durften, wurden aber trotzdem zur Arbeit eingeteilt. Verweigerten sie die Arbeit, warteten die berüchtigten Arrestbaracken sowie das Straflager auf sie.
Fast 90% der Gefangenen wurden in der Landwirtschaft eingesetzt, aber auch in Handwerksbetrieben und in Industriebetrieben wurden sie eingesetzt. In der Regel wurden sie auf den Bauernhöfen gut behandelt. Der Tagesablauf eines Gefangenen in einem Arbeitskommando sah z. B. in Bargstedt so aus :
5.00h Wecken
5.20h Abmarsch zur Arbeit
6.00h Arbeitsbeginn
7.00h Frühstück
10.00h Imbiss
12.30h - 13.00h Mittagessen
16.00h Imbiss
19.30h Abendbrot
20.00h Rückmarsch zur Unterkunft
Die Wachmannschaften wurden dazu angehalten "auf schärfste Ausnutzung der Arbeitskraft zu achten."

 

 

Freizeit der Gefangenen

" Wir haben also ... einen Krieg, der .... verlangt...., dass sie [ die Kriegsgefangenen, die Verf. ] für uns produktiv schaffen. Dafür werden sie ernährt, bekleidet, ja sogar von ihren volkseigenen Trupps hin und wieder mit Unterhaltung versorgt. Das hat seinen Sinn, weil es unserer Produktion dient."                  Bremervörder Zeitung vom 26.2.1943

 
 
   

" Freizeit" gab es auch für einen Teil der Gefangenen. Es stand eine Bücherei mit ca. 15000 Büchern zur Verfügung, die auch mit Hilfe einer rollenden Ausleihstation an die Kriegsgefangenen in den Arbeitskommandos ausgegeben wurden. Auch Zeitungen lagen in einem Lesesaal aus, die aber sorgfältig ausgewählt wurden.

 
 

Intellektueller Mittelpunkt war die Theatergruppe "L`Equipe". Unter der Leitung des in Frankreich hochangesehenen Bühnendarstellers Marco Behar probte die Truppe, die von allen Arbeitsverpflichtungen befreit war, zunächst an zwei Nachmittagen in einer Werkstatt. Als ihnen schließlich eine eigene Baracke zugewiesen wurde, probten sie täglich, was dazu führte, das jeden Monat ein neues Stück aufgeführt werden konnte. Angebote aus der Berliner Bühnenwelt wurden aber von der Truppe abgelehnt.

   
   

Beliebter  bei den Gefangenen war jedoch die Jazz- und Tanzkapelle, die seit 1944 jeden Samstag im "Pigalle", einer nachempfundenen Pariser Bar, auftraten. Außerdem gab es noch ein Symphonieorchester; die Instrumente wurden vom Roten Kreuz gespendet. Auch die Musiker waren von allen Arbeitsverpflichtungen befreit. In einer Baracke des "Oflags" stand den Kriegsgefangenen ein Raum für Spiele zur Verfügung. Es konnte dort Tischtennis, Domino, Tricktrack, Schach und Karten gespielt werden.

 
 

 Seit Dezember 1941 gab es in der Baracke 18 für die französischen Gefangenen ein Studienzentrum mit Kursen in Theologie, Chemie, Malerei, Musik, Rechtsfragen, Literatur, Physik, Sprachen, Mechanik und Buchführung. Auch wer sich sportlich betätigen wollte, hatte eine größere Auswahl: Fußball, Volleyball, Basketball, Boxen und noch einige andere Sportarten wurden angeboten. Der Vertrauensmann verfügte außerdem über ein Filmvorführgerät.

   

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