Kultusminister Bernd Busemann besucht das ehemalige Lager
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Bremervörder Zeitung vom 17. Juni 2004

Von Rainer Klöfkorn

 
Gedenkstättenfrage bleibt offen
Kultusminister Bernd Busemann regt bei Besuch in Sandbostel einen neuen Arbeitskreis an
 
 

Sandbostel. Mit einem Vorschlag, der die Ratlosigkeit um den Streit über eine Gedenkstätte für das ehemalige NS-Lager in Sandbostel widerspiegelt, wartete gestern Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann (CDU) bei seinem Besuch auf. Danach soll sich zunächst eine Arbeitsgruppe auf ein Konzept einigen, erst danach soll der Standort geklärt werden.
Die Hoffnung, dass die beiden Landesminister - Hans-Heinrich Ehlen begleitete seinen Parteifreund - den „gordischen Knoten" zerschlagen und eine Lösung in dem endlosen Streit herbeiführen, blieb damit unerfüllt. Die Frage, ob in diesem Falle der Spruch „Wer nicht weiter weiß, gründet eine Arbeitsgruppe" zutrifft, beantwortete Busemann gegenüber der Presse mit „Jein". Zuvor hatten alle Beteiligten die Möglichkeit, den Ministern ihre Positionen darzustellen. Hauptstreitpunkt ist die Standortfrage für eine mögliche Gedenk- und Dokumentationsstätte: Die Gemeinde beharrt auf den Kriegsgefangenen-Friedhof, der Gedenkstättenverein auf das ehemalige Gelände des NS-Lagers.
Über diese Gegensätze soll nach dem Vorschlag von Minister Busemann „ergebnisoffen" zwischen allen Beteiligten neu diskutiert werden. Am Ende müsse ein Konzept stehen, das sich an „moderner Gedenkstättenarbeit" orientiert. Erst danach sollen die Standortfrage und die Finanzierung geklärt werden.
Hinsichtlich der Erfolgsaussichten seines Vorschlages zeigte sich der Kultusminister zuversichtlich. Wenn jeder ein wenig von seiner starren Position abrücke, sei ein Kompromiss möglich. Und das hoffentlich bald: „Es dürfen nicht noch einmal zehn bis 15 Jahre vergehen". Sein Ministerium werde ein Auge auf die Entwicklung in Sandbostel haben.
Eine große Rolle werde für den Erfolg oder Misserfolg haben, wer den Arbeitskreis leite, meinte „Heiner" Ehlen. Er persönlich werde sich auf die Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit begeben, versprach der Minister.
Für den Gedenkstättenverein hoffte der Vorsitzende Dr. Dietmar Kohlrausch, dass schon bald eine Einigung erreicht wird. Mit Blick auf die für den 12. Juli angesetzte internationale Konferenz über das Sandbosteler Lager in Hamburg verwies der Rotenburger Historiker auf das große Interesse der Medien: „Ohne den Einsatz der Presse passiert hier nichts - das zeigt die Vergangenheit."
Sandbostels Bürgermeister Hans-Peter Hanschen kritisierte daraufhin den Druck, dem sich die Gemeinde und ihre Einwohner durch die Veröffentlichungen ausgesetzt seien. Der Rat werde neu beraten und sich mit dem Verein „vernünftig" über Lösungen unterhalten.
Bei einer Besichtigung des ehemaligen Lagergeländes hatte Minister Busemann zuvor den dortigen Zustand als „nicht zufriedenstellend" bezeichnet. Bis zum 30. September, kündigt er an, wird die Bezirksregierung eine Gutachten über die Substanz der dort noch vorhanden Gebäude fertigstellen.


 
   
 

Nicht nur das ehemalige Lagergelände, auch der Friedhof-
auf dem bis 1945 Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge über-
wiegend in Massengräbern begraben wurden, gehörte
zum Programm des Besuches der beiden Landesminister
Bernd Busemann (Bildmitte) und Hans-Heinrich
Ehlen (rechts). Fotos: Klöfkorn

Zahlreiche Medienvertreter begleiten Minister Busemann (rechts) gestern bei seinem Rundgang über das ehemalige  

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