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Sandbostel. Mit einem Vorschlag,
der die Ratlosigkeit um den Streit über eine Gedenkstätte für
das ehemalige NS-Lager in Sandbostel widerspiegelt, wartete gestern Niedersachsens
Kultusminister Bernd Busemann (CDU) bei seinem Besuch auf. Danach soll
sich zunächst eine Arbeitsgruppe auf ein Konzept einigen, erst danach
soll der Standort geklärt werden.
Die Hoffnung, dass die beiden Landesminister - Hans-Heinrich Ehlen begleitete
seinen Parteifreund - den „gordischen Knoten" zerschlagen und eine
Lösung in dem endlosen Streit herbeiführen, blieb damit unerfüllt.
Die Frage, ob in diesem Falle der Spruch „Wer nicht weiter weiß,
gründet eine Arbeitsgruppe" zutrifft, beantwortete Busemann
gegenüber der Presse mit „Jein". Zuvor hatten alle Beteiligten
die Möglichkeit, den Ministern ihre Positionen darzustellen. Hauptstreitpunkt
ist die Standortfrage für eine mögliche Gedenk- und Dokumentationsstätte:
Die Gemeinde beharrt auf den Kriegsgefangenen-Friedhof, der Gedenkstättenverein
auf das ehemalige Gelände des NS-Lagers.
Über diese Gegensätze soll nach dem Vorschlag von Minister Busemann
„ergebnisoffen" zwischen allen Beteiligten neu diskutiert werden.
Am Ende müsse ein Konzept stehen, das sich an „moderner Gedenkstättenarbeit"
orientiert. Erst danach sollen die Standortfrage und die Finanzierung
geklärt werden.
Hinsichtlich der Erfolgsaussichten seines Vorschlages zeigte sich der
Kultusminister zuversichtlich. Wenn jeder ein wenig von seiner starren
Position abrücke, sei ein Kompromiss möglich. Und das hoffentlich
bald: „Es dürfen nicht noch einmal zehn bis 15 Jahre vergehen".
Sein Ministerium werde ein Auge auf die Entwicklung in Sandbostel haben.
Eine große Rolle werde für den Erfolg oder Misserfolg haben,
wer den Arbeitskreis leite, meinte „Heiner" Ehlen. Er persönlich
werde sich auf die Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit begeben,
versprach der Minister.
Für den Gedenkstättenverein hoffte der Vorsitzende Dr. Dietmar
Kohlrausch, dass schon bald eine Einigung erreicht wird. Mit Blick auf
die für den 12. Juli angesetzte internationale Konferenz über
das Sandbosteler Lager in Hamburg verwies der Rotenburger Historiker auf
das große Interesse der Medien: „Ohne den Einsatz der Presse passiert
hier nichts - das zeigt die Vergangenheit."
Sandbostels Bürgermeister Hans-Peter Hanschen kritisierte daraufhin
den Druck, dem sich die Gemeinde und ihre Einwohner durch die Veröffentlichungen
ausgesetzt seien. Der Rat werde neu beraten und sich mit dem Verein „vernünftig"
über Lösungen unterhalten.
Bei einer Besichtigung des ehemaligen Lagergeländes hatte Minister
Busemann zuvor den dortigen Zustand als „nicht zufriedenstellend"
bezeichnet. Bis zum 30. September, kündigt er an, wird die Bezirksregierung
eine Gutachten über die Substanz der dort noch vorhanden Gebäude
fertigstellen.
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