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Buterfas: Gedenkstätte auf dem Lagergelände
längst überfällig
Gedenkveranstaltung zum 59. Jahrestag der Befreiung des Lagers Sandbostel
findet große Resonanz Sandbostel (bz/rkl).
„Wir machen die Sache einfach." Mit diesem Satz wischte Ivar Buterfas
am Donnerstag die Bedenken des Kreisvertreters Hermann Luttmann beiseite.
Der Erste Kreisrat hatte zu Beginn der Gedenkveranstaltung in Sandbostel
angezweifelt („Ganz so einfach wird das nicht"), dass eine Dokumentations-
und Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Lagers errichtet
werden kann.
Zu der Kundgebung vor der Lagerkirche hatte der Verein Dokumentations-
und Gedenkstätte Sandbostel eingeladen. Dass er in Ivar Buterfas
(71) einen prominenten und engagierten Unterstützer gefunden hat,
zeigten die Besucherzahl (etwa 200) sowie die Präsenz der vielen
Journalisten und Kamerateams.
Buterfas war gefragtester Interviewpartner. Mit Judenstern („Den habe
ich 1942 von Adolf Hitler bekommen") und Bundesverdienstkreuz am
Anzug trug er sein Ziel vor: dem Verein zu einer Dokumentations- und Gedenkstätte
auf dem Lagergelände - der „Stätte unerledigter deutscher Geschichte"
- zu verhelfen.
Diese Einrichtung sei lange überfällig. Es dürfe nicht
weiter zugelassen werden, dass die noch vorhandenen Baracken verrotten.
Der Verein werde niemandem etwas wegnehmen: „Wir wollen das geschehene
Unrecht in Form der Ausweisung eines Gewerbegebietes vor 30 Jahren nicht
durch neues Unrecht ausgleichen."
Buterfas werde seine Kontakte für dieses Ziel nutzen und den Finger
in die Wunde legen. Es gehe ihm nicht darum, andere an den Pranger zu
stellen: „Ich möchte den Weg der Versöhnung gehen." Doch
müssten sich die Politiker bewusst sein, dass man sie an ihren Taten
messen werde.
Auf den aktuellen Streit um die Dokumentations- und Gedenkstätte
ging der Erste Kreisrat Luttmann nicht ein. Er bezeichnete Sandbostel
als den Ort im Kreisgebiet, an dem die Spuren des Krieges am deutlichsten
sichtbar seien. Lager und Friedhof würden an unendliches Leid erinnern,
die Erinnerung daran müsse wachgehalten werden. Adolf Hitler habe
die Ausrottung aller seiner Gegner beabsichtigt. Indem sie ihn dabei unterstützten,
hätten sich viele Deutsche mitschuldig gemacht. „Unser Land ist mit
dieser Hypothek schwer belastet", sagte Luttmann. Insofern sei es
notwendig, Zeichen zu setzen für Versöhnung und Frieden zwischen
den Völkern.
Im weiteren Verlauf der Gedenkveranstaltung, die am 59. Jahrestag der
Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers durch britische Truppen
stattfand, sprach mit Oberst Dr. Winfried Heinemann vom Militärgeschichtlichen
Forschungsamt in Potsdam erstmals ein aktiver Soldat. Die Bundeswehr sehe
sich nicht in der Tradition der früheren Wehrmacht, die das Lager
Sandbostel zu verantworten habe, sagte er. Sie orientiere sich vielmehr
an dem Wertekodex der zivilen Gesellschaft. Aufgabe der Bundeswehr sei
es auch, sich mit den dunklen Seite der Geschichte - wie der Behandlung
der Kriegsgefangenen zwischen 1939 und 1945 durch das Militär - auseinanderzusetzen.
Er freue sich darüber, sagte Heinemann, dass die Veranstaltung dem
Gedenken an die französischen Gefangenen gewidmet sei, gebe es doch
besonders enge Verbindungen zwischen den Streitkräften beider Staaten.
An die Leiden der Gefangenen aus Frankreich - die ein Fünftel der
Sandbosteler Lagerinsassen ausmachten - erinnerte Bernard Le Godais. Sehr
eindringlich schilderte der ehemalige Gefangene die Ankunft von KZ-Häftlingen
im April 1945 im Lager Sandbostel. Es sei die Hölle gewesen. In sechs
Wochen habe er mit Mitgefangenen 3000 Tote in Sandbostel begraben. (Rede
von Bernard Le Godais)
Seit dieser Zeit widmet sich Le Godais nicht nur dem Andenken der Verstorbenen,
sondern auch dem Ziel der Versöhnung. Sandbostel sei dazu geschaffen,
sagte er, ein ökumenisches Zentrum der Versöhnung, der Freundschaft
und des Friedens zu werden.
Auch die französische Konsulin Carolin Krayka und Jacques Mouly vom
Verteidigungsministerium plädierten für eine Dokumentations-
und Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände. Die Reste
der ehemaligen Unterkünfte müssten erhalten werden, weil sie
von historisch hohem Wert seien. Von daher sei der Verein bei seinen Bemühungen
zu unterstützen.
Der setzt dabei auf die guten Kontakte von Ivar Buterfas. Der Vereinsvorsitzende
Dr. Dietmar Kohlrausch in seiner Begrüßung: „Ohne Sie stünde
hier wieder nur das kleine Häuflein der Aufrech-ten mit einigen Lokalreportern."
Ivar Buterfas will weiterhin für eine würdige Form der Erinnerung
und der Dokumentation werben, Was passiert, wenn nichts passiert, machte
Buterfas im Gespräch mit Luttmann deutlich: „Dann komme ich mit Vertretern
der neuen EU-Länder wieder." Denn gerade die Gefangenen dieser
Staaten hätten besonders unter dem Nazi-Regime gelitten.
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