Gedenkveranstaltung 2007
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Hier können Sie sich einige der Reden ansehen: Einführung von Dr. Klaus Volland, Rede von Frank Walker.

 

Bremervörder Zeitung 2. Mai 2007

"Die Zeit im Stalag X B war ein Albtraum"

Gedenkveranstaltung anlässlich des 62. Jahrestags der Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers "Stalag X B" in Sandbostel
   
  Berührte mit seiner Geschichte: Der ehemalige britische Internierte Frank Walker ist heute 82 Jahre alt. Petra Fischer übersetzte Walkers Ausführungen. Fotos:Buse  
 

Von Nora Buse

Sandbostel. Anlässlich des 62. Jahrestages der Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB“ Sandbostel haben die Stiftung Lager Sandbostel und der Dokumentation - und Gedenkstä ttenverein am Sonntag der tausenden Menschen, die während des zweiten Weltkrieges in Sandbostel litten und starben, gedacht. An der Gedenkfeier nahmen unter anderem der niedersächsische Land­ wirtschaftsminister Heiner Ehlen, Landrat Hermann Luttmann und der norwegische Generalkonsul Morten Paulsen teil.

Sowohl Landrat Hermann Luttmann als auch Heiner Ehlen, niedersächsischer Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, plädierten in ihren Ansprachen, neben den historischen Gebäuden auch die Erinnerung an das Schicksal der Opfer zu wahren. „Es ist die Verantwortung der Deutschen, dass sich die Vergangenenheit nicht wiederholt“, so Landrat Hermann Luttmann. „Der Ort hat sich verändert, trotzdem stehen wir hier erst am Anfang“, räumt Ehlen ein. Er hofft angesichts der Restauration der Lagerbarracken auf die „guten Gedanken und die nötigen Geldmittel der Bevölkerung, wenn die staatliche Förderung nicht mehr fasst“.

Morten Paulsen, Generalkonsul des Königreichs Norwegen in Hamburg, warnte in seiner Ansprache davor, die „unfassbaren Grausamkeiten“, die die Kriegsgefangenen im Lager Sandbostel erfahren mussten, zu vergessen. „Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen“, zitiert Morten Paulsen den Auschwitz- Überlebenden Primo Levi. „Wir müssen den Widerständlern, die gezeigt haben, dass der Kampf gegen das Unrecht nie nachlassen aan, Respekt zollen“, so der nor­ wegische Generalkonsul. Was die norwegischen Internierten im Lager erlebt und durchgestanden haben, verdiene Respekt.

Frank Walker, ein ehemaliger britischer Internierter des Lagers, erzählte seine Geschichte. „Es war der 11. November 1940 um etwa 9 Uhr vormittags, als das Bombardement geschah", erinnert sich Frank Walker. Südwestlich der Straße von Malakka schoss der deutsche Hilfskreuzer „Atlantis" das britische Dampfschiff „Automedon" ab. Ein Teil der Besatzung kam bei dem Angriff ums Leben. Die Überlebenden - unter ihnen auch Frank Walker - wurden von der „Atlantis" an Bord genommen und im Dezember einem Gefangegenenschiff übergeben. „Wir litten zehn Wochen Hunger, bevor wir am 6. Februar 1941 in Bordeaux ankamen", berichtet Walker. Vier Wochen war die Besatzung der „Automedon" in einem Durchgangslager im französischen St. Medard en Jalles untergebracht. „Wir wurden zu einem Nebengleis gebracht und in Viehwaggons verfrachtet, 40 Mann in einen Waggon. Sechs Tage später kamen wir in Bremervörde an, dann ging es weiter zum ,Stalag XB' Sandbostel", erzählt der damalige Handelsseemann. An die Ankunft im „Stalag XB" erinnerte sich Frank Walker noch gut: „Die Durchsuchung unseres Körpers und unserer Besitztümer erfolgte durch französische Kriegsgefangene - und zum Ent­ setzen der Briten sehr gründlich." Anfangs bediente Walker den Jauchewagen, danach wurde er als Torfstecher eingesetzt. Den Alltag im Lager Sandbostel beschriebt er wie folgt: „Das Leben in Sandbostel war ziemlich hart, Essen in unzureichendem Maße, so war überhaupt alles übrige."

Wegen einer Typhusepidemie wurden die britischen Kriegs- und Handelsmariner im Oktober 1941 in das 26 Kilometer entfernte Lager in Westertimke verlegt. Frank Walker verließ Sandbostel im Januar 1942: „Wie alle Handelsseeleute war ich darüber nicht traurig - das Stalag XB war kein Spaß, es war ein Albtraum." Bis zu seiner Befreiung am 28. April 1945 wurde Frank Walker im „Milag Nord" in Westertimke gefangenen gehalten. „Wäre ich nicht schon 1940 Kriegsgefangener geworden, wäre meine Überlebenschance sehr gering gewesen", sagt der 82-Jährige heute.

Aus gesundheitlichen Gründen konnte der ehemalige französische Kriegsgefangene Bernard Le Godais nicht an der Gedenkfeier teilnehmen. Ein guter Freund, Joachim Behnken, überbrachte seine Botschaft: „Die Macht des Teufels, die hier geherrscht hat, die Hass, Leiden und Tod über die vielen Menschen gebracht hat, soll gebrochen werden." Künftig solle Sandbostel „offen sein für Familien und Jugendliche der verschiedenen Volksgruppen, Kulturen, Religionen und Philosophien, die sich mit der europäischen Idee befassen und sie umsetzen wollen". Godais schreibt in seiner Botschaft von Sandbostel als Wallfahrtsort. Es ginge nicht darum, „Vorhandenes zu kopieren, um es anschließend noch besser zu machen", sondern unter Berücksichtigung der einzelnen Lagerepochen „etwas Neues zu schaffen". „Der neue Geist des Feldlagers Sandbostel möge für die Mitbürger in Europa ein Wegweiser zu einem harmonischen Leben in Frieden und Freiheit sein", schreibt Ber­nard Le Godais.

Anschließend lasen die Bremervörder Abiturienten Anne Kahrs, Niklas Bünting und Johanna Ochner zum Schwerpunktthema „Die norwegischen Internierten im “Stalag XB”. Der stellvertretende Vorsitzende des Dokumentations­ und Gedenkstättenvereins, Dr. Klaus Volland, führte in die The­matik ein. Im Anschluss an die Kundgebung fand in der Lagerkirche ein Gedenkgottesdienst mit Pastor Handrich statt.

 
         
  Landesminister Heiner Ehlen:"Wir stehen hier in Sandbostel erst am Anfang".   Sprach am Sonntag stellvertretend für seinen Freund Bernard Le Godais: Joachim Behnken   Landrat Hermann Luttmann: "Wir müssen die Erinnerung aufrecht erhalten":   Morton Paulsen, norwegischer Generalkonsul in Hamburg:"Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen".  
       
  Etliche waren am Sonntag zur Lagerkirche gekommen, um den Opfern des NS-Regimes zu gedenken.  

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