Gedenkveranstaltung
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Bremervörder Zeitung 15. August 2008
 
 
Jugend setzt Friedenszeichen
 
 
"Versöhnung über den Gräbern": Gedenkfeier zum Thema "Gedenkkultur" in Sandbostel
 
  Workcamp-Teilnehmer vor der Lagerkirche  
  Vor der Lagerkirche Sandbostel hatten die Jugendlichen die Flaggen ihrer Heimatländer und die Fahne Europas als Bindeglied gehisst. Fotos: bz  
 
(bz/fs). Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Bezirksverband Lüneburg-Stade hat am Mittwoch anlässlich der „Internationalen Jugendbegegnung" in Sandbostel zu einer Gedenkveranstaltung vor der Lagerkirche eingeladen. Auch Landrat Hermann Luttmann und zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung, der Bundeswehr sowie der Stiftung Lager Sandbostel nahmen an der Gedenkfeier teil.
Wie berichtet, leisteten 27 Jugendliche aus acht Nationen in den vergangenen zwei Wochen auf dem ehemaligen Gelände des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB ein Stück Friedensarbeit. Die jungen Frauen und Männer im Alter zwischen 16 und 24 Jahren jäteten Unkraut und legten Wege zu den Baracken frei. Veranstaltet wurde das „Workcamp“ vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Gemeinde Sandbostel.
Bei der Gedenkfeier am Mittwoch wies Gemeindebürgermeister Peter Radzio darauf hin, dass auch die Menschen im ländlichen Raum die Vergangenheit annehmen müssten, wenn sie Zukunft gestalten wollten. Mehr als eine Million Gefangene und KZ-Häftlinge waren zwischen 1939 und 1945 im Stalag XB interniert, mindestens 10.000 Menschen fanden den Tod. Workcampleiter Bodo Henze, dankte insbesondere Oberstleutnant Matthias Lau, Kommandeur des Fallschirmjägerbataillions 373 aus Seedorf, für die logistische Unterstützung des Camps. Im Mittelpunkt seiner Begrüßung standen aber die Jugendlichen selbst. Die jungen Leute aus Russland, Frankreich, Moldawien, Italien, der Ukraine, Polen, Weißrussland und Deutschland hätten neben den „praktischen pflegerischen Arbeiten auf dem Gelände“ vor allem miteinander geredet, über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit diskutiert und Lösungswege erarbeitet. Daneben sei selbstverständlich noch Zeit geblieben, Land und Leute von Bremen bis Hamburg kennen zu lernen, Völkerverständigung am praktischen Beispiel zu erleben, sagte Henze.
Eingehend auf das „Annehmen der Vergangenheit“ dankte der pensionierte Berufssoldat den örtlichen Vereinen für ihre Unterstützung. Diese mache deutlich, dass das Bewusstsein für die Geschichte immer mehr wachse.
 
 
Campleiter Bodo Henze   Blumen und Kreuze
Campleiter Bodo Henze (Mitte) erläuterte den Gästen den Ablauf der Internationalen Jugendbegegnung in Sandbostel.   Die Jugendlichen zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder.
 
 
Die von den Jugendlichen vorbereitete Gedenkfeier stand unter dem Motto „Gedenkkultur“. „Wir sind als Fremde gekommen und fahren als Freunde“, waren sich die Teilnehmer einig. Bei einem Rundgang erläuterten sie, was sich in den vergangenen 14 Tagen dank ihrer Hilfe auf dem Lagergelände getan hat.
Anschließend führte „Der letzte Weg“ die Gäste zu Fuß vom Lager zur vier Kilometer entfernten Kriegsgräberstätte in Sandbostel.
Nach den Worten von Landrat Hermann Luttmann, dem Kreisvorsitzenden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, arbeiten jährlich mehr als 12.000 vornehmlich junge Menschen aus ganz Europa unter dem Motto „Arbeit für den Frieden - Versöhnung über den Gräbern“ auf Kriegsgräber- und Gedenkstätten in Deutschland und im Ausland.Für den Frieden zu arbeiten, das heiße gegen das Vergessen zu arbeiten, sagte Luttmann.
„Welchen Bezug habe ich zu jener Zeit?", „Was heißt Frieden für mich?", „Welche Verantwortung können wir heute übernehmen?": Um diese und andere Fragen geht es, wenn die Jugendlichen sich mit der deutschen und europäischen Geschichte auseinander setzen.
„Auch wenn niemand von uns Jüngeren persönliche Schuld trägt: Wir dürfen nicht vergessen, was hier in Sandbostel - aber auch sonst während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Europa - in deutschem Namen menschenverachtendes Unrecht verübt wurde“, mahnte Luttmann. Internationale Formen des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit der Geschichte ließen spüren, wie wichtig für ein friedvolles Miteinander der Menschen die Achtung vor dem Einzelnen sei. Der Landrat schloss mit einem Zitat von Albert Schweitzer „Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens, und ihre Bedeutung als solche wird immer mehr zunehmen“.
Nach der Kranzniederlegung legten die Jugendlichen auf den Gräbern Kerzen und weiße Nelken nieder. Beim abschließenden Empfang am Hüßelhus erläuterten die Jugendlichen interessierten Gästen ihre Arbeitsergebnisse und es bestand Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Am Schluss der feierlichen Veranstaltung waren sich alle einig: Wenn Menschen miteinander reden, entdecken sie unendliche Gemeinsamkeiten, gleich welcher Gruppe sie auch immer angehören.
 
  Gäste der Gedenkveranstaltung  
  Zu den vielen Gästen der Gedenkfeier zählte auch Rotenburgs Landrat Hermann Luttmann (Vierter von links).  

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