Neue Funde
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  Eröffnungsrede von Karl-Heinz Buck zur Eröffnung der Ausstellung "Neue Funde zur Geschichte des Lagers Sandbostel" am 11. Februar 2006 in der Dokumentationsstätte Sandbostel  
 

 

Bevor ich meine Einführung beginne, möchte ich mich zuerst bei den Leuten bedanken die uns die Ausgrabungen erst ermöglicht haben: Dr. Stefan Hesse von der Kreisarchäologie Rotenburg/Wümme, den Mitarbeitern der Straßenmeisterei Sandbostel mit seinem Leiter, Herr Tiemann, Dietrich Alsdorf von der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Stade und natürlich der AG Spurensuche der Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel.

 

Mancher wird sich fragen, was Archäologie mit dem Dritten Reich zu tun hat.

Archäologie befasst sich ja im Allgemeinen mit den Hinterlassenschaften vergangener Epochen und für uns ist die Zeit des Dritten Reiches ja keine abgeschlossene Epoche. Aber seit einigen Jahren interessieren sich immer mehr Archäologen auch für die Neuzeit. So gibt es in jeder größeren Gedenkstätte, wie z. B. Bergen-Belsen oder Buchenwald einen eigenen archäologischen Dienst der Ausgrabungen vornimmt und die Fundstücke restauriert, archiviert und den Besuchern zugänglich macht. Hier in Sandbostel nimmt unsere Arbeitsgruppe „Spurensuche“ diese Aufgabe für die Stiftung Lager Sandbostel wahr.

Vieles aus der furchtbaren NS-Zeit liegt noch im Dunklen und ich denke, wir müssen versuchen, soviel wie möglich darüber in Erfahrung zu bringen. Das was uns Zeitzeugen jetzt nicht mehr erzählen können, erzählen uns die Fundstücke.

Hier im Stalag X B bekommen wir durch die Ausgrabungsgegenstände Einblicke in das tägliche Leben der Gefangenen und ihrer Bewacher. Zeitzeugen, die uns davon berichten können, werden leider immer weniger. In einigen Jahren wird es überhaupt keine Zeitzeugen mehr geben und dann sind wir auf die Archäologie angewiesen. Sie gibt uns dann Antworten auf unsere Fragen.

Auf einige unserer Fundstücke möchte ich sie hier aufmerksam machen.
In der Nähe der damaligen Kommandantur fanden wir bei unserer ersten Ausgrabung eine silberne Kaffeekanne. Wir können davon ausgehen, dass sie aus herrschaftlichem Besitz stammt. Wir stellen uns natürlich die Frage, wie sie ins Lager gekommen ist. Sie könnte bei den Plünderungen nach der Befreiung irgendwo in der Umgebung entwendet worden sein, sie könnte aber auch Eigentum eines der Lageroffiziere gewesen sein. Noch wissen wir es nicht. In einer anderen Grube, die sich zwischen zwei ehemaligen Baracken befindet, wurden von uns unzählige Schalen, Schüsseln und Töpfe ausgegraben. Dieses Essgeschirr können wir grob in drei Gruppen einteilen: Geschirr aus Emailleblech, Aluminium und aus einfachen Blech. Die Schalen und Töpfe aus Aluminium wurden industriell hergestellt. Auf einigen Schalen befinden sich entsprechende Hinweise. Die Töpfe aus einfachem Blech dagegen wurden anscheinend von Hand montiert. Erkennbar an ihrer groben Fertigungsweise. Wurden sie hier im Lager gebaut? Wenn ja, wo und wie und von wem? Auch hier wissen wir noch keine Antwort.

Sehr interessante Fundstücke sind natürlich auch die so genannten Henkelmänner aus Aluminium. Auf fast jeder befinden sich Eingravierungen. Meistens sind es Namen, manche weisen aber auch sehr schöne Motive, wie z.B. Landschaften auf.

Einige fragen sich jetzt sicher, was das alle soll. Ist es wichtig zu wissen, aus welchen Geschirr die Gefangenen gegessen haben oder woher die Kaffeekanne stammt. Aber auch diese scheinbar so unwichtigen Dinge bringen die Historiker bei der Erforschung der NS-Zeit weiter.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

 
     

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