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Über ihre Unterbringung schrieben Überlebende:"Im
ganzen Lager gab es kein Bett, kein Bund Stroh, keine Decken, keine Essnäpfe
und Bestecke. Sanitäre Anlagen fehlten vollständig. Es gab nur
eine Baracke, die sich stolz `Revier` nannte, aber den Kranken konnte
auch hier nicht geholfen werden. Medikamente und Verbände gab es
nicht. Dafür aber furchtbar viel Ungeziefer: Läuse, Flöhe,
Wanzen. (...) Fleckfieber und Ruhr herrschten hier. Die Latrine war ein
entsetzlicher Bau. Alles schmutzig, und ein ekliger Gestank stieg uns
in die Nase. Die Brillen waren von Ruhrkranken mit Blut beschmutzt. Hier
war ein richtiger Seuchenherd."
Anfangs versuchten die Kriegsgefangenen nach Absprache mit der Lagerleitung
den Deportierten zu helfen, aber mit dem Eintreffen von weiteren Evakuierungstransporten
aus dem KZ Neuengamme wurde diese wohl einzige Versorgung der KZ-Häftlingen
verboten und es galt von nun an Schiessbefehl gegen alle Kriegsgefangenen
die sich dem Marlag näherten.
Wahnsinnig vor Hunger kam es auch zu Kannibalismus unter den Deportierten:
" Ein hohlwangiger, ziemlich junger Bursche geht schluchzend an
uns vorbei. Wir rufen ihn an, er ist Franzose. Langsam und vom Schmerz
geschüttelt, der ihn zu überwältigen scheint, gesteht er
uns sein Leid: Er war vor einigen Tagen von seinem Vater getrennt worden.
Er hat ihn mit geöffnetem Brustkorb in einer Anhäufung von Leichen
wiedergefunden :`Sie haben Papa gegessen".
Die Tausenden von KZ-Häftlingen waren praktisch sich selbst
überlassen. Bis auf stundenlange Appelle ließen sich die deutschen
SS-Wachen nicht blicken. Man wollte sie scheinbar verhungern lassen. Ein
Befehl des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, an den Kommandanten
des KZ Flossenbürg lautet denn auch:" ...Kein Häftling
darf lebend in die Hände des Feindes fallen..."
In den frühen Morgenstunden des 20. April verließen die
SS und Teile der Wachmannschaften zusammen mit einigen hundert KZ-Häftlingen
das Lager und die Kriegsgefangenen konnten wieder den Deportierten Hilfe
bringen. Die deutsche Lagerleitung erklärte sich einverstanden, dass
sich von nun an die Kriegsgefangenen, unter Führung des Franzosen
Marcel Albert, der Häftlinge annahmen.
Wenige Tage später wurde das Lager Sandbostel endgültig von
den Engländern befreit.
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