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Polnischer Filmemacher und Historiker besucht Sandbostel
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Bremervörder Zeitung 22. Juli 2006 |
Kampf gegen das Vergessen in Sandbostel |
Polnischer Filmemacher und Historiker informiert sich im ehemaligen Lager Stalag X B |
Sandbostel (bz). Am Montag hat der polnische Filmemacher und Historiker Artur Podgorski Bremervörde und Sandbostel besucht. Podgorski, auf dessen Bestrebungen Kurt Ringen, der Vorsitzende der deut-schen Sektion von Pro Europa, im Internet aufmerksam geworden war, stellte in der Dokumentations- stätte des Gedenkstättenvereins Sandbostel in Bremervörde sein Projekt vor. In Poniatowa bei Lublin soll eine Gedenkstätte entstehen, die an das Leiden und Sterben von sowjetischen Kriegsgefangenen und jüdischen Zwangsarbeitern erinnert.In einer nicht fertig gestellten Ausrüstungsfabrik der polnischen Armee richtete die Wehrmacht 1941 das Stalag 359 ein, in dem der größte Teil der 24.000 hier eingepferchten sowjetischen Kriegsgefangenen innerhalb eines Winters durch Hunger und Typhus starb.Im Oktober 1942 kam der aus „Schindlers Liste“ bekannte Amon Göth nach Poniatowa und richtete dort ein Arbeitslager für Juden ein. Im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ sollte die Arbeitskraft der Juden des Generalgou vernements vor ihrer Vernichtung ausgebeutet werden. Die meisten jüdischen Zwangsarbeiter arbeiteten in Poniatowa für den Vegesacker Unternehmer Walter Toebbens, der auch im Warschauer Ghetto tätig war. Sie mussten Uniformen für die Wehrmacht nähen. Auch das Leben dieser Menschen endete zumeist auf grausige Weise: An einem einzigen Tag, dem 4. November 1943, wurden etwa 14.000 Juden in Poniatowa im Rahmen der „Aktion Erntefest“ von der SS erschossen. Ihre Leichen wurden verbrannt. Artur Podgorski, ein junger Mann von 33 Jahren, möchte diese sowohl in Polen als auch in Deutschland weitgehend verdrängten Geschehnisse dem Vergessen entreißen. Er arbeitet seit Jahren an einer eingehenden Dokumentation, für die er an zahlreichen Archivstandorten gearbeitet hat, möchte ein Denkmal in Poniatowa aufstellen lassen und hat den angesehenen polnischen Komponisten Jan Kanty Pawluskiewicz für ein musikalisches Werk zu Ehren der Opfer von Poniatowa gewonnen. Nachdem ihm die Ausstellung und die Einrichtung der Dokumentationsstätte vorgestellt und die Entwicklungs-perspektiven für die Gedenkstätte Sandbostel von Klaus Volland und Karl-Heinz Buck aufgezeigt worden waren, besuchte Podgorski den Lagerfriedhof und das historische Lagergelände in Sandbostel und wurde abschließend im Haus des Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung Lager Sandbostel, Clement-Volker Poppe, empfangen.Während des Besuches wurden zahlreiche Möglichkeiten der Kooperation erörtert. Die Zusammenarbeit mit ähnlich gelagerten Gedenkstättenprojekten in Europa, dies bekräftigten die Teilnehmer der Veranstaltung, könne für den Aufbau der Gedenkstätte in Sandbostel nur förderlich sein.
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