Ivar Buterfas setzt sich für den Gedenkstättenverein ein
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Bremervörder Zeitung vom 30. April 2004
Buterfas: „Wir machen die Sache einfach"

Gedenkveranstaltung findet große Resonanz

Von Rainer Klöfkorn

Sandbostel. „Wir machen die Sache einfach" - mit diesem Satz wischte Ivar Buterfas gestern die Bedenken des Kreisvertreters Hermann Luttmann beiseite. Der Erste Kreisrat hatte zu Beginn der Gedenkveranstaltung in Sandbostel angezweifelt („Ganz so einfach wird das nicht"), dass eine Dokumentations- und Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Lagers errichtet werden kann.
Zu der Kundgebung vor der Lagerkirche hatte der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel eingeladen. Dass er in Ivar Buterfas (71) einen prominenten und engagierten Unterstützer gefunden hat, zeigten die Besucherzahl (etwa 200) sowie die Präsenz der vielen Journalisten und Kamerateams.
Buterfas war gefragtester Interviewpartner. Mit Judenstern („den habe ich 1942 von Adolf Hitler bekommen") und Bundesverdienstkreuz am Anzug trug er sein Ziel vor: dem Verein zu einer Dokumentations- und Gedenkstätte auf dem Lagergelände - der „Stätte unerledigter deutscher Geschichte" - zu verhelfen.
Diese Einrichtung sei lange überfällig. Es dürfe nicht weiter zugelassen werden, dass die noch vorhandenen Baracken verrotten. Der Verein werde niemandem etwas wegnehmen: „Wir wollen das geschehene Unrecht in Form der Ausweisung eines Gewerbegebietes vor 30 Jahren nicht durch neues Unrecht ausgleichen".
Er, Buterfas, werde seine Kontakte für dieses Ziel nutzen und den Finger in die Wunde legen. Es gehe ihm nicht darum, andere an den Pranger zu stellen: „Ich möchte den Weg der Versöhnung gehen". Doch müssten sich die Politiker bewusst sein, dass man sie an ihren Taten messen werde.
Auf den aktuellen Streit um die Dokumentations- und Gedenkstätte ging der Erste Kreisrat Luttmann nicht ein. Er bezeichnete Sandbostel als den Ort im Kreisgebiet, an dem die Spuren des Krieges am deutlichsten sichtbar seien. Lager und Friedhof würden an unendliches Leid erinnern, die Erinnerung daran müsse wachgehalten werden.
Adolf Hitler habe die Ausrottung aller seiner Gegner beabsichtigt. Indem sie ihn dabei unterstützten, hätten sich viele Deutsche mitschuldig gemacht. „Unser Land ist mit dieser Hypothek schwer belastet", sagte Luttmann. Insofern sei es notwendig, Zeichen zu setzen für Versöhnung und Frieden zwischen den Völkern.
Im weiteren Verlauf der Gedenkveranstaltung, die am 59. Jahrestag der Befreiuung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers durch britische Truppen stattfand, sprach mit Oberst Dr. Winfried Heinemann vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam erstmals ein aktiver Soldat. Die Bundeswehr sehe sich nicht in der Tradition der früheren Wehrmacht, die das Lager Sandbostel zu verantworten habe, sagte er. Sie orientiere sich vielmehr an dem Wertekodex der zivilen Gesellschaft.
Aufgabe der Bundeswehr sei es auch, sich mit den dunklen Seite der Geschichte - wie der Behandlung der Kriegsgefangenen zwischen 1939 und 1945 durch das Militär - auseinanderzusetzen. Er freue sich darüber,sagte Heinemann, dass die Veranstaltung dem Gedenken an die französischen Gefangenen gewidmet sei, gebe es doch besonders enge Verbindungen zwischen den Streitkräften beider Staaten.
An die Leiden der Gefangenen aus Frankreich - die ein Fünftel der Sandbosteler Lagerinsassen ausmachten - erinnerte Bernard Le Godais. Sehr eindringlich schilderte der ehemalige Gefangene die Ankunft von KZ-Häftlingen im April 1945 im Lager Sandbostel. Es sei die Hölle gewesen. In sechs Wochen habe er mit Mitgefangenen 3.000 Tote in Sandbostel begraben.
Seit dieser Zeit widmet sich Le Godais nicht nur dem Andenken der Verstorbenen, sondern auch dem Ziel der Versöhnung. Sandbostel sei dazu geschaffen, sagte er, ein ökomenisches Zentrum der Versöhnung, der Freundschaft und des Friedens zu werden.
Auch die französische Konsulin Carolin Krayka und Jacques Mouly vom Verteidigungsministerium plädierten für eine Dokumentations- und Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände. Die Reste der ehemaligen Unterkünfte müssten erhalten werden, weil sie von historisch hohem Wert seien. Von daher sei der Verein bei seinen Bemühungen zu unterstützen.
Der setzt dabei auf die guten Kontakte von Ivar Buterfas. Der Vereinsvorsitzende Dr. Dietmar Kohlrausch in seiner Begrüßung: „Ohne Sie stünde hier wieder nur das kleine Häuflein der Aufrechten mit einigen Lokalreportern".
Ivar Buterfas will weiterhin für eine würdige Form der Erinnerung und der Dokumentation werben. Was passiert, wenn nichts passiert, machte Butterfas im Gespräch mit Luttmann deutlich: „Dann komme ich mit Vertretern der neuen EU-Länder wieder." Denn gerade die Gefangenen dieser Staaten hätten besonders unter dem Nazi-Regime gelitten.


Bremervörder Anzeiger vom 2. Mai 2004
"Dieses Lager darf nie und nimmer verschwinden"

Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung / großes Interesse der Medien Weltfriedenspreisträger Ivar Buterfas unterstützt Gedenkstätte auf dem Lagergelände

Von Jakob Brandt

Sandbostel. Ganz ehrlich: An eine Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel haben wohl nur noch wenige geglaubt. Es schien, als hätten sich Landkreis, Kreis-CDU und die Landesregierung unter der Hand bereits auf die Minimallösung, sprich: eine Gedenktafel auf der wenige Kilometer entfernten Kriegsgräberstätte, geeinigt. Außerdem hat der Verfall des Lagerrestes gerade in den letzten Jahren dramatische Ausmaße angenommen. Doch jetzt kommt mächtig Bewegung in die Sache. Mit dem Weltfriedenspreisträger Ivar Buterfas hat der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel einen prominenten, weltweit für sein humanistisches Engagement mehrfach ausgezeichneten Fürsprecher gewonnen.
Der Hamburger Unternehmer und Holocaust-Überlebende setzt sich nachdrücklich für eine Gedenkstätte auf dem Lagergelände, für Buterfas „Stätte unbewältigter deutscher Geschichte", ein. Ins Auge gefasst hat der Doku-Verein jetzt die ehemalige Lagerkommandantur, die heute von der Straßenmeisterei des Landkreises Rotenburg als Verwaltungsgebäude genutzt wird. Ivar Buterfas hat sich unter anderem als Retter der St.-Nikolai-Kirche in der Hansestadt verdient gemacht. Auf der Gedenkfeier zum 59. Jahrestag der Lager-befreiung am vergangenen Donnerstag machte der 71-Jährige unmissverständlich klar, dass er sich mit der gleichen Intensität und Hartnäckigkeit auch für Sandbostel einsetzen werde. Mit Judenstern und Bundesverdienstkreuz am Anzug, an die Vertreter des Doku-Vereins: „Ich habe mich gern von Freunden 'missbrauchen' lassen und stehe gerne zur Verfügung." Buterfas ist ein Mann deutlicher Worte und klarer Gesten. „Ich wäre ein blinder Versager, wenn ich an dieser historischen und heiligen Stätte nicht den Finger in die Wunde legen würde." Und er nennt die Verantwortlichen beim Namen: Landkreis und Gemeinde. Es sei ein unverzeihlicher Akt, eine Schande, das Lager 1974 als Gewerbegebiet auszuweisen. Mit Blick auf die Lagerruinen: „Das haben die zu verantworten." Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises forderte Ivar Buterfas auf, jetzt dafür zu sorgen, dass nichts auf dem Lagergelände vernichtet werde.
Der den Rotenburger Landrat vertretende Erste Kreisrat Hermann Luttmann vermied es in seinem Grußwort, das Thema Dokumentationsstätte anzusprechen. Buterfas zu Luttmann: „Politiker erkennt man an ihren Taten."
Vor seinem Besuch in Sandbostel sprach der Weltfriedenspreisträger in Hannover mit Ex-Ministerpräsident Sigmar Gabriel. Ivar Buterfas, Mann mit ausgezeichneten Kontakten, versucht derzeit, viele Mitstreiter für die Sache zu gewinnen. Auch das große Aufgebot der Presse bei der Gedenkveranstaltung belegt es: Von Ham-
burg bis Hannover ist Sandbostel ein Thema in vielen Zeitungen. Und fast 200 Gäste, so viel wie nie zuvor bei einer Gedenkveranstaltung, wurden vor der Lagerkirche gezählt.
Mit seinem Einfluss und seinem guten Namen habe Buterfas das Ziel des Vereins entscheiden vorange-bracht, hob Doku-Vorsitzender Dietmar Kohlrausch zu Beginn der Veranstaltung das Engagement des
Hamburgers hervor. „Ohne Sie stünde hier nur das kleine Häuflein der Aufrechten und einige Lokalreporter." Gewidmet war die diesjährige Gedenkveranstaltung den ehemaligen französischen Internierten. Gäste wie die französische Konsulin Carolin Krayka und Jaques Mouly vom Verteidigungsministerium sprachen sich ebenfalls für eine Gedenkstätte auf dem Lagergelände aus. Als Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager habe der Ort eine hohe symbolische Bedeutung. Ebenso notwendig sei es, die Lagerreste „von unschätzbarem Wert" in einem guten Zustand zu bewahren. Jaques Mouly sprach von einem „fassbaren Ort der Erinnerung". Der Einsatz des Doku-Vereins sei außerordentlich wichtig. Der heute 86-jährige Bernard Le Godais hat die Befreiung des Lagers am 29. April 1945 miter-lebt. „Liebe Freunde“, begann er seine auf Deutsch gehaltene Rede. Ihm sei es wichtig, auf Opferboden ein Zeugnis von Glaube, Hoffnung und Liebe abzulegen, begründete er sein Kommen. Der Franzose blickte auch kurz zurück: „Es war schrecklich und traurig", schilderte er die Ankunft von 6.000 KZ-Häftlingen aus Neuengamme im April 1945. Le Godais berichtet von Gräueltaten, von sterbenden Menschen, herumliegenden Toten. „Es war furchtbar, wir konnten nichts machen, nur zusehen." 3.000 Tote habe er gemeinsam mit anderen Gefangenen begraben. „Dieses Lager darf nie und nimmer verschwinden", appellierte er an die Verantwortlichen von heute. Der alte Mann, der sich seit Kriegsende der Versöhnung unter den Völkern verschrieben hat, hat auch einen Traum: Sandbostel als Zentrum für Versöhnung Freundschaft und Frieden.

 
 

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