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Bremervörder Anzeiger vom 17. April 2005
Lippenbekenntnisse beenden
Nordwestradio informiert sich über Gedenkstätte
 

Sandbostel. "Klare Verhältnisse schaffen - Gedenkstätte Sandbostel" war das Thema einer Live-Radiosendung aus der Lagerkirche Sandbostel. Bereits zum zweiten Mal war das Nordwestradio vor Ort, um mit den maßgeblich am Projekt Gedenkstätte beteiligten Parteien zu reden.
Am 5. Oktober 2004 sendete „Nordwestradio unterwegs" erstmals live aus der Lagerkirche. Jetzt wollten das Team und Moderator Lars Cohrs noch einmal nachhaken, was sich seitdem in puncto Gedenkstätte getan hat. Zur Gesprächsrunde geladen waren Ivar Buterfas, der niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Lager Sandbostel Hermann Luttmann, Pastor Peter Handrich sowie Sandbostels Bürgermeister Clement Poppe. Am 29. April jährt sich der Tag der Befreiung des Lagers zum 60. Mal. "Man sprach von einem kleinen Belsen", sagte Dr. Klaus Volland, Autor des Buches "Stalag X B Sandbostel", nach den Eindrücken der Befreier beim ersten Betreten des Lagers befragt. "Ich glaube, wir verlangen nicht zu viel, wenn wir sagen, dass die Gedenkstätte hier auf dem Lagergelände entsteht", machte der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel die Haltung des Vereins noch einmal klar. Ivar Buterfas, eiserner Verfechter der Gedenkstätte, zeigte sich entsetzt über das Gewerbefest, das kürzlich im Gewer­begebiet Immenhain und damit dem ehemaligen Lagergelände stattgefunden hatte. „Das passt absolut nicht an diese Stätte." Daher seine Forderung: "Es muss Schluss sein mit den Lippenbekenntnissen - und wenn ein paar Rosen gepflanzt, Schilder geändert werden." Die Bezeichnung Kriegsgräberstätte auf den Hinweisschildern müsse geändert werden. Buterfas nannte diese Bezeichnung eine Geschichtsfälschung, da es sich um einen Lagerfriedhof handele. Das Geld für eine Gedenkstätte müsse zur Verfügung gestellt werden, so Buterfas' Appell an Hans-Heinrich Ehlen. Das Land habe kein Geld, so der Minister, doch es werde voraussichtlich eine projektbezogene Förderung geben. Die Kirche wolle die Nachhaltigkeit einer Gedenkstätte sichern, erläuterte Pastor Peter Handrich. Er ist von der Hannoverschen Landeskirchebeauftragt worden eine „spirituelle Zelle“ auf dem Lagergelände einzurichten. Dies sei der Arbeitstitel, erläuterte Handrich, dahinter verberge sich ein Tagungszentrum, indem sich Menschen im Rahmen von Seminaren mit der Geschichte des Lagers auseinander setzen können. Anders als Dr. Klaus Volland oder Clement Poppe wolle er dabei aber nicht nur auf die Jugend setzen. Hermann Luttmann stellte abschließend die Pläne seiner Stiftung vor. Diese bemühe sich zurzeit, das Geld zum Kauf von Lagergrundstücken zusammenzubekommen. Die ersten Verhandlungen zum Kauf eines 30.000 Quadratmeter großen Grundstückes laufen bereits. Ansonsten laufen die letzten Vorbereitungen für die Gedenkveranstaltung zur Lagerbefreiung am 29. April.

 
 

 

Dr. Klaus Volland, Ivar Buterfas, Moderator Lars Cohrs, Hermann Luttmann, Clement Poppe,
Hans-Heinrich Ehlen und Peter Handrich (von links nach rechts). Foto: ka

 

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