Bremervörde (ts). Der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte
Sandbostel möchte die Überreste des Kriegsgefangenen-und KZ-Auffanglagers
Sandbostel in die Liste des Weltkulturerbes aufnehmen lassen. Mit einem
entsprechenden Brief wandte sich der stellvertretende Vorsitzende des
Vereins, Dr. Klaus Volland, an Minister Walter Hirche, der Präsident
der Deutschen Unesco-Kommission ist.
Der Verein bittet Hirche, sich dafür einzusetzen, dass das UNESCO-Welterbekomitee
die Überreste des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel
in seine Liste des Weltkulturerbes aufnimmt.
Als Begründung schreibt Dr. Volland in seinem Brief: „Bei den Überresten
dieses in der Nähe von Bremervörde gelegenen Lagers handelt
es sich nach Ansicht von Persönlichkeiten wie dem Historiker Prof.
Dr. Lutz Niethammer von der Universität Jena, dem Landesarchäologen
Dr. Henning Haßmann, dem Schriftsteller und Publizisten Ralph
Giordano oder dem Weltfriedenspreisträger und Retter des Hamburger
Mahnmals St. Nikola, Ivar Buterfas, um einen Ort von internationaler
und weltgeschichtlicher Bedeutung, der die für die Aufnahme in
die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes erforderlichen Kriterien 'Einzigartigkeit'
und 'Authentizität' erfüllt."
Nirgendwo sonst in Deutschland und wahrscheinlich in ganz Europa ist
bis heute ein solch umfangreiches Ensemble von 25 Gebäuden eines
deutschen Kriegsgefangenenlagers (in dem sich zwischen 1939 und 1945
insgesamt über eine Million Gefangene aus an die 70 Nationen aufgehalten
haben) in seiner Grundstruktur und mit einer weitgehend authentischen
Bausubstanz erhalten geblieben. Die Landesregierung hat diese Überreste
1992 unter Denkmalschutz gestellt und lässt derzeit ihren aktuellen
Zustand von einem Hannoveraner Architekturbüro untersuchen.
Ein viel beachteter Bericht des niederländischen Fernsehens hat
auf den dramatischen Verfallszustand zahlreicher Baracken des Lagers
Sandbostel aufmerksam gemacht. Einige Zuschauer hatten daraufhin angeregt,
die Überreste dieses Lagers durch die Aufnahme in die UNESCO-Liste
des Weltkulturerbes vor der weiteren Zerstörung zu bewahren. „Wir
schließen uns diesem Vorschlag an: Es handelt sich hier um einen
einzigartigen Schatz, der im Interesse der historischen Erinnerung und
der Aufklärung der kommenden Generationen unbedingt gerettet werden
muss", schreibt Dr. Volland an Hirche.