Sandbostel. Arbeit für den Frieden: Zu diesem Zweck sind derzeit 27 Jugendliche aus acht Nationen in Sandbostel. Dort veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wie bereits im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit der Gemeinde ein Jugendworkcamp. Bis zum 15. August werden die Teilnehmer im Alter zwischen 16 und 24 Jahren die örtliche Kriegsgräberstätte pflegen und bei der Restaurierung des Lagergeländes helfen. Am Sonnabend wurde das Camp offiziell eröffnet.
Neben der Gemeinde freuen sich auch die „Stiftung Lager Sandbostel" und der Verein „Pro Europa", dass in Sandbostel wieder Brücken geschlagen werden. Ein Zeichen der Versöhnung, waren doch während des Zweiten Weltkrieges mehr als eine Million Menschen aus 46 Nationen im ehemaligen Kriegsgefangenen-und KZ-Auffanglager Stalag XB in Sandbostel interniert. Die Zahl derer, die im Lager ihr Leben ließen, schwankt zwischen 10.000 und 50.000.
Das Motto des Workcamps ist in großen Lettern auf einem Banner in der Ortsdurchfahrt zu lesen: „Über Grenzen hinweg: Versöhnung, Verständigung, Freundschaft". Die Teilnehmer kommen aus Weißrussland, Frankreich, Italien, Moldawien, Polen, Russland, der Ukraine und Deutschland. Drei französische Gäste waren schon im vergangenen Jahr dabei. „Es muss ihnen also in Sandbostel gefallen haben", so Bürgermeister Peter Radzio bei der Eröffnung.
Auch Campleiter Bodo Henze und sein Team sind „alte Bekannte". Der pensionierte Berufssoldat aus Tangermünde widmet sich seit 30 Jahren in seiner Freizeit der Jugendarbeit. Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist er ehrenamtlich als Betreuer tätig. Ziel des Camps ist es, dass „aus Fremden Freunde werden“: So steht es auf der Fahne, die vor dem Vereinsheim des SV Sandbostel flattert. Der Club hat den Jugendlichen das Gebäude als „Versorgungsstation“ zur Verfügung gestellt. Bis zu ihrer Abreise am 15. August sollen die jungen
Menschen miteinander ins Gespräch kommen, andere Kulturen kennen lernen und durch die Arbeit auf dem ehemaligen Lagergelände ein Stück Geschichte aufarbeiten.
Die Politik habe die Voraussetzungen für ein vereintes Europa geschaffen, aber es sei wichtig, dass sich der Wunsch danach bei den Jugendlichen fortsetzt, meint Campleiter Henze. Umso erfreuter ist er, dass Anne Schröder aus Sandbostel im vergangenen Jahr noch Teilnehmerin war und diesmal als Betreuerin dabei ist.
Neben der Arbeit auf dem ehemaligen Lagergelände und auf der Kriegsgräberstätte erwartet die Jugendlichen ein abwechslungsreiches Programm. Geplant sind unter anderem eine Dorfrallye, ein Tag bei Gastfamilien und ein „Abend der Nationen“. Geschlafen wird in der Waldhalle, die Verpflegung der Gäste übernimmt das Fallschirmjägerbataillon 373 in Seedorf.
Die meisten Jugendlichen sprechen Deutsch, trotzdem übersetzte Lilia aus Moldawien Peter Radzios Eröffnungsrede am Sonnabend ins Russische. Der Bürgermeister mahnte, dass Kriege bis heute in vielen Ländern der Welt „Not und Elend“ über die Menschen brächten. Darum seien Begegnungen wie die aktuelle in Sandbostel so wichtig.
Er wünsche sich, dass die Jugendlichen in ihrer Heimat im Familien- und Freundeskreis „von ihren Erfahrungen berichten und so zu Freundschaft und Verständigung beitragen“, sagte Radzio.
Im vergangenen Jahr sei das Workcamp mit Hilfe von EU-Zuschüssen finanziert worden. Da dies nur alle zwei Jahre möglich sei, freue er sich, dass es seinem Amtsvorgänger Johann Gerken und Rolf Viebrock aus Seisingen gelungen sei, die VGH Stiftung als Hauptsponsoren zu gewinnen. Mit dieser Unterstützung könne der größte Teil der Kosten gedeckt werden, so der Bürgermeister. |